Die Haaner Solarquelle sprudelt

Frank Wolfermann

Wie ist es dazu gekommen? Vor knapp sechs Jahre, am 5. Mai 1997 lud die AG Natur + Umwelt Haan e.V. (AGNU Haan) zu einer Versammlung ein, um das vom Abbau bedrohte Windrad in Gruiten zu retten. Ergebnis dieser Versammlung war die Gründung der „Bürgerwindrad Haan GbRmbh“, der es allerdings leider nicht gelang, das Gruitener Windrad für Haan zu erhalten. Das Interesse an der neuen Gesellschaft in der Bevölkerung war groß, schnell wuchs die Zahl der Gesellschafter.

Unterstützung

Wer nun aber glaubte, Politik und Verwaltung würden die Chance nutzen und sich an die Spitze der Bewegung für eine umweltfreundliche Stromerzeugung stellen oder mindestens aktiv dabei mithelfen, sah sich getäuscht. Wir haben immer wieder versucht, die gewählten Volksvertreter sowie die ausführenden Organe in Haan für unsere Idee zu begeistern. Nur ein politisch Aktiver ist Gesellschafter geworden, und das, obwohl wir die Beitrittsschwelle mit 1.000 DM bewusst niedrig gelegt haben. Ansonsten nur Funkstille bis absolutes Desinteresse.

Ende!?

Die darauffolgende Suche nach einem Standort für ein neues Windrad stellte sich als schwieriger heraus als erwartet. Dann hatten wir endlich einen Standort gefunden – direkt an der Autobahn A46 und 450 Meter von der nächsten Wohnbebauung entfernt. Ein Jahr führten wir mit Hilfe eines von der RWE zur Verfügung gestellten Messturms Windmessungen durch. Leider waren die Auswertungen verheerend, demnach hätte sich ein Windrad dort nicht amortisiert. Hinzu kam der heftige Protest der Anwohner. Die Idee eines Windrades für Haan mussten wir aufgeben.

Aufbruch

Zu diesem Zeitpunkt gab es nur zwei Möglichkeiten: Entweder die Gesellschaft auflösen oder das Gesellschafterkapital für eine andere zukunftsweisende Energiequelle nutzen. Die Gesellschafterversammlung beschloss am 29. Oktober 2001, den zweiten Weg zu gehen. Weitere Gesellschafter schlossen sich uns an, so dass wir heute insgesamt 37 Gesellschafter mit einem Gesellschafterkapital von rund 55.000 Euro sind.

Glücklicherweise war ein Jahr zuvor vom Bundestag das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) beschlossen worden, das für Fotovoltaikanlagen eine Einspeisevergütung von 99 Pfennig pro Kilowattstunde für 20 Jahre garantierte. Hinzu kam das 100.000-Dächer-Programm des Bundes und das Programm „Rationelle Energieverwendung und Nutzung unerschöpflicher Energiequellen“ - kurz REN-Programm des Landes Nordrhein-Westfalen. Unser neues Ziel war die Errichtung einer Fotovoltaikanlage auf dem Dach der Haaner Felsenquelle, was sich auch im neuen Namen unserer Gesellschaft wiederspiegelte, nämlich „Bürgerenergie Haan GbR mit Haftungsbeschränkung“.

Probleme

Die neue (alte) Geschäftsführung stürzte sich nach dem Beschluss in die Arbeit. Anfang des Jahres 2002 wurden die REN-Mittel beantragt und ziemlich schnell bewilligt. Allerdings wurde abgestritten, dass unsere Anlage eine Multiplikatoranlage ist. Als solche werden grundsätzlich Anlagen auf Schulen, Kindergärten o.ä. anerkannt, andere stehen im Ermessen des jeweiligen Sachbearbeiters. Wir aber wollten an einer der Ausfallstraßen von Haan, durch die der gesamte Verkehr von und zu der Autobahnausfahrt Haan-West geht, ein markantes, gut sichtbares Zeichen für die Solarenergie setzen. Auch die Zusammenarbeit von lokaler Wirtschaft wie der Haaner Felsenquelle, engagierten Bürgern wie der Bürgerenergie Haan GbR und den örtlichen Umweltverbänden (AG Natur + Umwelt Haan e.V.) sowie die vorgesehene Größe der Anlage (30 kWp) konnte das Landesinstitut für Bauwesen in Dortmund leider nicht überzeugen. Also nur geringere Förderung!

Wir holten Angebote von verschiedenen Firmen ein; die Firma Neumann-Elektrotechnik aus Hilden war nicht nur die preisgünstigste, sondern konnte auch auf erhebliche solare Erfahrung in Haan und Hilden verweisen. Und dann ein Rückschlag: Plötzlich stand die Erfordernis einer Baugenehmigung im Raum. Dies hätte uns – trotz der von der Stadt zugesagten zügigen Bearbeitung – um Monate zurückgeworfen und erhebliche Kosten verursacht. Ich will Sie nicht mit juristischen Einzelheiten langweilen, nur soviel: Normalerweise brauchen Fotovoltaikanlagen nach der Landesbauordnung nicht genehmigt zu werden. Wird aber der erzeugte Strom nicht selbst genutzt, dann ist das eine Nutzungsänderung des Gebäudes, was als Ausnahme von der Ausnahme genehmigungsbedürftig ist. Wir fanden eine Lösung, aber ich denke, dass hier der Gesetzgeber gefordert ist, um nicht nur den gewünschten Ausbau der Solarenergie zu fördern, sondern auch überflüssige Verwaltungsarbeit zu verhindern.

Und dann kam das Abenteuer mit dem 100.000-Dächer-Programm. Dieses sieht einen zinsbegünstigten Kredit für den größten Teil der Investitionskosten vor und muss über die Hausbank bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) beantragt werden. Vielleicht gingen wir etwas blauäugig davon aus, dass die geforderten „banküblichen Sicherheiten“ schon durch die Fotovoltaikanlage selbst gestellt sind. Weit gefehlt. Die Anlage, die wir heute einweihen, ist in den Augen der Bank nichts wert. Da die beiden Geschäftsführer aber von dem Erfolg der Haaner Solarquelle fest überzeugt waren und sind, waren sie bereit, als Sicherheit ihre beiden Häuser einzusetzen. Anders wäre es nicht gegangen. Auch hier eine Anregung an die Regierung: Das 100.000-Dächer-Programm ist eine tolle Sache, würde aber noch wesentlich besser werden, wenn der Bund die Bürgschaft für die Kredite übernehmen würde. Ich denke, das dadurch eingegangene Risiko ist minimal, da ja immer nachweisbare und nachzuweisende Werte geschaffen werden! Und auch die Beschränkung, dass man erst dann mit dem Bau beginnen darf, wenn der Kredit genehmigt ist, ist etwas weltfremd. Denn einerseits darf man nicht vorher anfangen, muss aber andererseits nach der Kreditbewilligung das Geld innerhalb von vier Wochen ausgegeben haben, sonst muss man Bereitstellungszinsen zahlen. Und von den vier Wochen sind zwei durch den Postweg meistens schon vorbei, ehe man von der Kreditbewilligung überhaupt erfährt. Über die weitere Kreditabwicklung will ich lieber schweigen, zeigte sie doch, dass noch nicht allzu viel Erfahrung mit dem 100.000-Dächer-Programm in Haan existiert.

Realisierung

Einfach dagegen war der Bau der gesamten Anlage. Sobald die KfW-Kredite bewilligt waren, vergaben wir den Auftrag, und Frank Neumann, der schon in den Startlöchern stand, begann sofort mit der Installation. Dies war Mitte November 2002, noch sieben Wochen bis Jahresende. Jetzt musste der Stromanschluss beim RWE bestellt werden. Auch hier wieder Verzögerungen, da die Kommunikation innerhalb des RWE nicht funktionierte. Am 3. Dezember wurden dann die Solarmodule geliefert und auf das Dach gehoben. Am 5. Dezember war die Anlage fertig und hätte Strom in das Netz einspeisen können, wenn das RWE rechtzeitig die Stromzähler geliefert hätte. Am 10. Dezember war es dann endlich soweit: Wir erzeugten unsere ersten Kilowattstunden!

Viel gäbe es noch von der Zeit nach dem 10. Dezember zu berichten, von den REN-Mitteln, die uns zuerst nur zu zwei Dritteln und erst nach mehrfachen Mahnungen ganz ausbezahlt wurden, vom RWE, das wieder einmal die Verträge zu Ungunsten der Einspeiser verändert hat, immer noch nicht das EEG wahrhaben will und bis heute kein Geld für die bisher über 5.000 eingespeisten kWh bezahlt hat, vom Verwendungsnachweis für die KfW, von der nicht akzeptierten Umsatzsteuervoranmeldung und der Umsatzsteuererklärung beim Finanzamt, um die gezahlte Umsatzsteuer wieder zu bekommen. Insgesamt war - und ist es immer noch - ein Projekt mit vielen Tiefen - aber noch mehr Höhen. Trotzdem: Wir haben die „Haaner Solarquelle“ erfolgreich errichtet und damit die Stromproduktion aus Fotovoltaik in Haan verdoppelt.

Hierfür danke ich allen Beteiligten, insbesondere natürlich dem Ehepaar Römer für die vorbehaltlose Bereitstellung Ihres Hallendachs, Herrn Frank Neumann für die problemlose und unbürokratische Errichtung der Anlage und – last not least – allen Gesellschaftern, insbesondere denen, die dem Projekt auch in schwierigen Zeiten die Treue gehalten haben.

Haaner 20-Dächer-Programm

Haben wir nach all diesen Hürden nicht genug von solchen Projekten? Können und sollten wir uns auf Grund dieser Leistung nicht jetzt ausruhen? Meine Antwort ist ein klares Nein. Nehmen wir doch einmal die Stadt Gütersloh zum Vorbild, die mit ihren 100.000 Einwohnern sicherlich nur bedingt vergleichbar ist mit Haan. Aber dort wird die Sonne schon heute mit 11 Watt pro Einwohner genutzt; in Haan sind das gerade einmal 3,6 Watt pro Einwohner. Und trotzdem haben die Stadtwerke Gütersloh Anfang des Monats ein 100-Dächer-Programm ins Leben gerufen, mit dem sie in diesem Jahr die Installation von 100 Solaranlagen (allerdings Kollektoranlagen) fördern wollen. Da ich nicht davon ausgehe, dass die Stadtwerke Haan ein vergleichbares, nämlich 30-Dächer-Programm auflegen werden, rege ich heute ein 20-Dächer-Programm an. Ziel ist es, noch in diesem Jahr auf 20 Haaner Dächern jeweils eine Fotovoltaikanlage zu errichten.

Und wie soll das funktionieren? Ich habe einmal durchgerechnet, welche Investitionen für eine 6-kWp-Anlage, also eine Anlage mit 60 Quadratmetern, erforderlich sind. Das Erstaunliche: Dies kostet in diesem Jahr nichts und kostet im nächsten Jahr nichts, da die Anlage aus dem 100.000-Dächer- und dem REN-Programm komplett finanziert wird. Erst in zwei Jahren sind für die Dauer von acht Jahren Zuzahlungen in Höhe von rund 100 Euro monatlich erforderlich. Und nach zehn Jahren wirft die Anlage Gewinn ab. Insgesamt liegt die Rendite nach 20 Jahren zwischen 4 und 6% pro Jahr. Und ich denke, dass diese Rendite auch für „reine“ Geldanleger interessant ist.

Damit möchte ich die in Haan installierte Fotovoltaikleistung noch in diesem Jahr von heute rund 60 kWp auf 180 kWp verdreifachen. Hierzu suche ich mindestens 20 Haaner Hausbesitzer, die in diesem Jahr eine Fotovoltaikanlage auf ihrem Dach installieren lassen. Hierzu suche ich aber auch eine Bank, die bereit ist, den Begriff „bankübliche Sicherheiten“ etwas flexibler auszulegen und die auch bereit ist, für diese Art von Geldanlage zu werben. Und schön wäre es natürlich auch, wenn sich Mitglieder aus Rat und Verwaltung für dieses Modell persönlich erwärmen könnten.

Einweihung

Nach diesem Rückblick und dem Ausblick in die solare Haaner Zukunft danke ich auch Ihnen, liebe Frau Höhn, für Ihre Bereitschaft, die Haaner Solarquelle hier und heute einzuweihen und darf Sie nunmehr zu einer kleinen Luftfahrt mit dem von der Firma Scheuten dankenswerterweise zur Verfügung gestellten Hubsteiger zur Enthüllung der Haaner Solarquelle einladen.

Stand: 29.12.2003