Global denken und lokal handeln

Bärbel Höhn

Ich freue mich sehr, dass Sie mich eingeladen haben, weil dieses Projekt sehr viel klar macht. Erst mal macht es klar, dass Bürgerinnen und Bürger etwas tun können und dass es auch einer guten Verbindung bedarf, dass Sie sich z.B. Gedanken gemacht haben, wir wollen gerne eine Solaranlage, und wir wollen sie nicht nur auf unseren eigenen Häusern, sondern wir wollen sie auch auf einem Gebäude, das man weithin sehen kann, was damit eben auch eine Informationspolitik mitliefert bei der erneuerbaren Energie, die Sie damit erzeugen können. Und da haben Sie hier mit der Haaner Felsenquelle eine gute Lösung gefunden.

Sie, Herr Römer, haben eben schon einiges über Ihr Unternehmen gesagt. Vielleicht hat man aber sogar einen anderen Anknüpfungspunkt. Als Sie damals 1908 angefangen haben, wurde mit Mineralwasser noch ganz anders umgegangen. Da war Mineralwasser noch Medizin. Insofern waren Sie da auch Pioniere auf Ihrem Gebiet. Heutzutage ist uns ein Mineralwasser etwas ganz Alltägliches. Deshalb hoffe ich eigentlich, dass wir diesmal nicht so lange brauchen, also keine 100 Jahre, bis auch Solaranlagen etwas ganz Alltägliches sind.

Der entscheidende Punkt ist, dass Sie hier etwas getan haben. Wenn Sie von Anfang an gewusst hätten, was das für Arbeit ist, hätten Sie sich das vielleicht noch einmal überlegt. Aber meist ist es ja so, dass man dann schon so im Thema ist und sich sagt, jetzt will ich es auch machen, auch wenn eine ganze Menge Bürokratie zu überwinden ist und Steine aus dem Weg zu räumen sind. So ein Projekt realisiert sich ja nicht von heut auf morgen. Ich finde es deshalb toll, weil Sie damit ein Zeichen setzen.

Wir sagen immer: „Global denken und lokal handeln.“ Das heißt, wir haben ein weltweites Problem gerade mit zuviel CO2, was damit auch zu Klimaänderungen führt – wir wissen das alle. Es wird ja mittlerweile nicht nur wärmer - es wäre ja vielleicht noch etwas Angenehmes, dass der Winter nicht so lange dauert. Damit verbunden sind ja aber auch massive Naturkatastrophen, Hochwasser, Stürme, die ganze Wälder mitnehmen. Also keiner hat da eigentlich etwas von diesem CO2-Problem. Wir haben ein globales Problem. Und das werden wir nur gelöst bekommen, wenn jeder seinen Anteil leistet, also wenn wir lokal handeln, und wenn wir mit vielen kleinen Projekten auch vor Ort zeigen, wie es mit erneuerbaren Energien geht.

Dass das notwendig ist und dass jeder eine Kraftanstrengung machen muss, das kann man an folgenden Zahlen sehen: 20% der Erdbevölkerung sind für 80% der Emissionen zuständig. Wenn alle so leben würden – wir gehören mit zu diesen 20% - dann bräuchten wir nicht eine Erde, denn die ist ja jetzt schon an der Grenze dessen, was sie an Emissionen aufnehmen kann, sondern dann bräuchten wir derer vier. Wir haben aber keine drei andere im Kofferraum und deshalb müssen wir überlegen, was tun wir, wenn andere Länder auf dieser Erde sagen: „Passt auf, was ihr da macht, das können wir auch.“ Eines dieser Länder heißt China, hat über eine Milliarde Bevölkerung und ist auf dem Weg zur Industrialisierung und damit natürlich auch zu ganz viel Energieverbrauch. Können wir ihnen das verbieten? Nein! Es gibt auch eine soziale Gerechtigkeit, die deutlich macht, so wie wir leben, haben andere auch das Recht leben zu wollen und zu können. Das heißt aber andersherum, wenn jetzt alle aufholen, dann funktioniert das Ganze nicht mehr.

Wir haben da enorme Potentiale. Ein Amerikaner z.B. verbraucht 20 mal so viel Energie wie ein Inder. Wir stellen aber fest, dass wir hier in Deutschland oder die Europäer nur die Hälfte der Energie verbrauchen wie ein Amerikaner. Wir leben aber nicht schlechter. Das heißt, wir können auch unseren Lebensstandard halten, wenn wir sorgfältiger mit Energien umgehen und wenn wir auf erneuerbare Energien setzen. Das bedeutet also, dass wir effizienter sind, mehr aus einer Tonne Öl oder einem Kubikmeter Gas machen und Energie herausholen und dass wir stärker auf erneuerbare Energien setzen. Die EU sagt dazu, das können wir auch gut schaffen. Sie will im Jahre 2010 EU weit 12% des Stroms aus erneuerbaren Energien erzeugen, also EU weit, nicht hier in Haan, nicht in Nordrhein-Westfalen. Ein ehrgeiziges Ziel, aber eins, das wir in Deutschland allemal schaffen können. Dazu gehört Solar, dazu gehören aber auch Biomasseanlagen wie z.B. Holzhackschnitzelanlagen, dazu gehören auch Windenergieanlagen. Wir müssen also die unterschiedlichsten Anlagen nebeneinander stellen und hierüber erneuerbare Energien erzeugen.

Sie haben inzwischen mit Ihrer Solaranlage 6.000 Kilowattstunden erzeugt. Das ist schon sehr gut. Und das ist eben auch der Beitrag, den Sie leisten können. Herzlichen Glückwunsch für diese Anlage. Herzlichen Dank an alle, die mitgemacht haben und viele Stunden ihrer Privatzeit, ihrer Lebenszeit in diese Anlage gesteckt haben. Aber ich glaube, das Ergebnis kann sich sehen lassen. Wir wünschen dieser Anlage alles Gute. Wir werden sie gleich enthüllen und sozusagen sichtbar machen. Auch herzlichen Dank an das Unternehmen, dass Sie mitgemacht haben. Denn dies ist ja auch ein schönes Beispiel, dass sich hier Bürger, Unternehmen, Leute aus dem Umweltbereich, dass sich alle zusammentun und etwas machen für ihre Stadt, für Nordrhein-Westfalen und damit auch für die Lösung des globalen Problems. Alles Gute für die Anlage, alles Gute für Sie.

Stand: 29.12.2003